Eiberg im Herbst
Okt.
18

775 Jahre westfälisch - Die Einverleibung Eibergs in die Grafschaft Mark

18.10.2018

In seinem Vortrag verweist der Referent darauf, dass im eigentlichen Sinne Eiberg und auch Essen immer schon von alters her dem Westfälischen Raum zuzuordnen waren. Insofern ist die gewählte Jubiläumszahl eher symbolisch für die ursprünglich unter Essener Einfluss stehenden Bauerschaften Steeler Berg, Freisenbruch, Horst und Eiberg zu sehen, die in den Isenbergischen Wirren der Grafschaft Mark einverleibt wurden.

Um diese Geschehnisse besser zu verstehen, schilderte der Referent zunächst die Entstehung und das Wachsen der Grafschaft Berg von seinem Stammsitz in Altenberg und später der Burg an der Wupper aus in Richtung Nordwesten. Ebenso führte er aus, wie die Ostgrenze des einstigen Frauenstiftes Essen verlief, dies sich aus zwei Zehntbeschreibungen aus den Jahren 947 und 1072 ergeben. 

Durch geschickte Heirats- und Machtpolitik wuchs die Grafschaft Berg im 11. und 12. Jahrhundert zu einer regionalen Macht heran. So gelangte um 1090 die Grafschaft Hövel durch Heirat mit Adelheid von Lauffen (Erbin des Grafen von Werl) an Graf Adolf I. von Berg. Zwischen 1066-1150 kamen die Grafschaft Bochum und die „Krumme Grafschaft“ südlich von Dortmund ebenfalls in den Besitz der Grafen von Berg, ohne das Näheres über die Umstände bekannt ist. Vor 1118 erhielten die Grafen von Berg noch die Grafschaft Valbert-Plettenberg als Lehen des rheinischen Pfalzgrafen, bis schließlich um 1160 die Grafschaft Altena, die dahin im Besitz der Grafen von Arnsberg (Seitenlinie der Grafen von Werl) war und durch Erzbischof Reinald von Köln gekaufte die Burg Altena und mit ihr wahrscheinlich den Westteil der Grafschaft Arnsberg für 1.220 Mark gekauft hatte, der Graf Eberhard IV. von Berg als Lehen vom Erzbischof erhielt. Seitdem nannte er sich auch Graf Eberhard I. von Berg-Altena. Als Eberhard I. von Berg-Altena am 23. Januar 1180 starb, kam es zwischen seinen Söhnen Arnold und Friedrich zu einer Erbauseinandersetzung, in deren Folge die väterliche Erbmasse akribisch geteilt wurde. Friedrich von Altena scheint der Initiator der Erbteilung gewesen zu sein. Im Gegensatz zur Berg-Altenaischen Territorialteilung von 1161 handelt es sich hier um eine Gemengeteilung, d.h. Gerechtsamkeiten, Alloden und Lehen wurden peinlich genau nach folgendem Teilungsprinzip getrennt:

   Beide Brüder besaßen gemeinsame, unteilbare Rechte an demselben Objekt.
   Beide Brüder verfügten über getrennte Rechte an demselben Besitz.
   Beide Brüder hatten verschiedene Güter oder Rechte an demselben Ort.
   Beide Brüder besaßen Rechte und Besitzungen in benachbarten Orten.

Obwohl Arnold und Friedrich, beide zu gleichen Teilen, ihre Stammburg Altena von Köln zu Lehen trugen, zog sich Arnold schon früh daraus zurück. Er verkaufte seinen Anteil nicht an seinen Bruder, sondern an seinen Lehnsherrn, den Erzbischof Philipp von Heinsberg. Nach Philipps Tod gelangte der Anteil der Burg dann wieder an ihn zurück, bis er sie 1200 an Adolf von Altena veräußerte, den ehemaligen Kölner Erzbischof und Herzog von Westfalen. Der Verkauf seines Burganteils ist möglicherweise als feindlicher Akt gegen seinen Bruder zu sehen, da der Erzbischof den Anteil an Fremde belehnte, die nun neben Friedrich auf der Burg Einzug hielten. Genauso ist allerdings denkbar, dass der Erzbischof der eigentliche Initiator der Altenaischen Erbteilung war. Das Todesjahr Eberhards, das Jahr 1180, ist zugleich das Jahr, in dem Kaiser Friedrich Barbarossa aufgrund des Spruchs sächsischer Fürsten mit der Gelnhäuser Urkunde seinem Vetter Heinrich dem Löwen, dem damals mächtigsten Reichsfürsten, u. a. das Stammesherzogtum Sachsen entzog. Ein Teil des ehemaligen Sachsen wurde in die Hände des Erzbischofs von Köln gegeben, der von nun an den Titel eines Herzogs von Westfalen führte. Das auf diese Weise entstandene Herzogtum Westfalen umfasste aber bei weitem nicht das ganze sächsische bzw. westfälische Gebiet und hatte somit von nun an das Entstehen bedeutender, konkurrierender Territorien in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu fürchten. Die Altenaische Erbteilung könnte somit eines der Mittel gewesen sein, mit denen Erzbischof und Herzog Philipp von Heinsberg die Entstehung einer großen territorialen Herrschaft in Konkurrenz zu seinem Herzogtum schon im Ansatz zu verhindern suchte. Er könnte also Arnold von Altena zu dem Verkauf genötigt haben.

Um 1170 erwarb Graf Friedrich von Berg-Altena (um 1155 – 1199) den Oberhof Mark bei Hamm und errichtete dort eine Burg. Er ist der Begründer der Line der Grafen von der Mark. Graf Arnold von Berg-Altena (1173–1209) ließ in den Jahren 1193-1199 auf dem Isenberg westlich von Hattingen eine Burg errichten. Er ist der Begründer der Linie der Grafen von Isenberg. Sein zweiter Sohn Friedrich von Isenberg (1194-1226), ursprünglich für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen war und Domherr zu Köln war, trat von diesen Ämtern zurück und wurde Mitregent seines älteren Bruders Eberhard von Isenberg. Dieser Schritt soll er wegen einer möglichen Erkrankung des Bruders bzw. wegen einer Teilnahme an einem Kreuzzuges durchgeführt haben. Spätestens nach dem Tode des im Jahre 1209 fiel ihm der Grafenstuhl zu und wurde so u.a. Schutzvogt der Klöster bzw. Stifter Essen, Rellinghausen und Werden. In Ausübung seiner Vogteischaft kam es im Laufe der Zeit später zu Spannungen mit der Äbtissin Adelheid von Essen, die sich bitterlich über ihn beim Erzbischof von Köln beschwerte. Denn er soll unerlaubterweise Steuereinnahmen für sich in Anspruch genommen haben, die dem Stift Essen zustanden. Dies sah Friedrich von Isenberg völlig anders und ließ für einen möglichen Rechtsstreit mit dem Stift die sogenannten Vogteirollen (kleine Vogteirolle vor 1220, große Vogteirolle 1221) erstellen, worin sorgfältig seine Rechte als Vogt und die zugehörigen Güter aufgezeichnet waren. Ein Verlust der Vogteieinnahmen von über 1.440 Höfen in 900 Orten hätten seine Entwicklungspläne und sein Machtanspruch jäh beendet.

Als sich schließlich die Äbtissin Adelheid direkt an den Papst wandte, wurde Erzbischof Engelbert von Berg, ein Onkel Friedrichs von Isenberg, beauftragt den Streit zu schlichten. Dies und die bereits zuvor erlassene päpstliche Order, die Kirchengüter dem Zugriff der Vögte zu entziehen, waren die Gründe, die 1225 den Erzbischof Engelbert zum Handeln zwangen. Doch Friedrich lehnte es ab, die Vogtei über Essen niederzulegen und dafür mit Geldleistungen entschädigt zu werden. Daher berief der Erzbischof die Edlen Westfalens im November 1225 nach Soest auf einen Fürstentag, um den entstandenen Streit beizulegen. Doch konnte man sich in Soest nicht einigen, und so vertagte man sich auf ein weiteres Treffen einige Tage später zu Köln. Gemeinsam brachen Friedrich und Engelbert in Soest auf, der Erzbischof wollte auf dem Weg zu Schwelm eine Kirchweihe durchführen, Friedrich entweder auf die nur wenige Kilometer abseits der bischöflichen Straße von Soest nach Köln gelegene Burg Isenberg oder zu den weiteren Gesprächen nach Köln reisen. Doch zu den Gesprächen in Köln kam es nicht mehr.  Am 7. November 1225 geriet Erzbischof Engelbert von Berg bei Gevelsberg in einen Hinterhalt und wurde mit mehr als 40 schweren Verletzungen (1978 an den Knochen nachgewiesenen) getötet. Wenige dieser Schläge hätten nach Ansicht der Gerichtsmediziner sicher ausgereicht, Engelbert zu töten. Seitdem gibt es zahlreiche Theorien über die Motive des Mordes und darüber, ob es ein Mord war oder doch nur eine missglückte Entführung. Als Quelle zum Geschehen gibt es nur die Lebensgeschichte Engelberts von Berg, die der Mönch Caesarius von Heisterbach im Auftrag der kölnischen Kirche verfasst hat.

Die Nachricht über den Mord verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Lande. Als päpstlicher Legat hielt sich bis 1226 Konrad von Urach in Deutschland auf, der mit Engelbert eng kooperierte und nach seiner Ermordung den Kirchenbann über Friedrich verhängte, zu dessen Verfolgung aufrief, die Beisetzung Engelberts in Köln leitete und ihn als Märtyrer bezeichnete. Engelberts Nachfolger Erzbischof Heinrich von Molenark beantragte auf dem Hoftag zu Nürnberg am 1. Dezember 1225, die Acht über Friedrich von Isenberg auszusprechen. Dem Antrag wurde stattgegeben. Es wurde beschlossen, dass die Burg Isenberg bei Hattingen an der Ruhr und die Burg Nienbrügge nördlich der Lippe sowie die Unterkünfte der Reisigen südlich der Lippe dem Erdboden gleichzumachen seien. Die Alloden sollten eingezogen werden. Friedrichs Burgen in Hattingen und Nienbrügge wurden noch im Winter 1225/26 durch Graf Adolf I. von der Mark, einem Cousin Friedrichs, der sich auf die Seite des Kölner Erzstifts gestellt hatte, belagert und zerstört. Bedingt durch die Zerstörung Nienbrügges wurde schließlich die Stadt Hamm gegründet. Aus den Steinen der Isenburg soll dann durch Graf Adolf I. von der Mark die Burg Blankenstein in Hattingen gebaut worden sein.  Sie war gemeinsam mit der Burg Altena, der Burg Wetter und der Burg Volmarstein eine der vier Hauptburgen der Grafen von der Mark, die von dort Teile ihres Herrschaftsgebiets durch Droste verwalten ließen. Zum Dank für seine Unterstützung belehnte ihn der Erzbischof von Köln mit den isenbergischen Gütern, die Adolf in der Folgezeit an sich brachte. Dadurch vereinigte Adolf I. die in der zweiten altenaischen Erbteilung ab 1175 zwischen der altenaisch-märkischen und alteanisch-isenbergischen Linie des Hauses Berg aufgeteilten altenaischen Gebiete wieder in einer Hand. 

Friedrich von Isenberg reiste im Jahre 1226 mit seinen Brüdern Dietrich (Bischof in Münster) und Engelbert (Bischofselekt in Osnabrück), sowie dem isenbergischen „Notarius“ nach Rom zur Kurie. Dietrich und Engelbert wollten ihre Suspension rückgängig machen und wieder in ihre Ämter gesetzt werden, was aber nicht geschah. Allerdings konnte Friedrich den Papst offenbar doch von seiner unmittelbaren Unschuld an dem Verbrechen überzeugen, da der von Konrad verhängte Kirchenbann in Rom aufgehoben wurde. An Friedrichs Vogelfreiheit und Verfolgung im Reich änderte dies jedoch nichts mehr.

Auf dem Rückweg bezog er in Lüttich Quartier. Dort wurde er von einem Edlen namens Balduin von Gennep erkannt. Dieser lud Friedrich zu einem Essen ein und nahm ihn gefangen. Er verkaufte ihn für 2.100 Mark Silber (eine halbe Tonne Silber) an den Grafen von Geldern. Friederich wurde nach Köln gebracht.

Am 14. November wurde Friedrich von Isenberg am Severinstor zu Köln auf dem Rad hingerichtet. Ihm wurden Arme und Beine zerschlagen, danach wurde er auf das Rad geflochten und auf einer Steinsäule zur Schau gestellt. Er starb am folgenden Tag und wurde den Vögeln zum Fraß überlassen. 

In Folge dessen sollen auch die Bauerschaften Steeler Berg, Freisenbruch, Horst und Eiberg in die Hände der Grafen von Mark gelangt sein. Doch 1232 forderten und der inzwischen 17jährige Sohn Friedrichs, Graf Dietrich von Altena-Isenberg (*um 1215; † 1301), und die verbliebenen Brüder das Erbe zurück. Unterstützt von seinen Onkeln, dem Bischof von Osnabrück, dem Herzog von Limburg und Grafen von Berg, kam es kurz, nachdem Adolf I. von der Mark die Forderungen abgelehnt hatte, zur Fehde. Die Kämpfe führten in elf Jahren jedoch nur zu geringen Geländegewinnen der Isenberger und zu einem militärischen Patt. Schließlich schlossen am 1. Mai 1243 die Kriegsparteien einen Vergleich, der Dietrich von Isenberg-Limburg die Herrschaft über die kleine Grafschaft Limburg sicherte und die isenbergischen Güter etwa hälftig unter den Kontrahenten aufteilte. Ebenso erstritt er eine Mitherrschaft in Bochum.

So ist es nicht verwunderlich, dass einige Eiberger Höfe dem Grafen von Limburg-Styrum lehnspflichtig waren. Die zweite Hälfte Bochum kam erst durch Tausch und Kauf im Jahre 1392 an die Grafschaft Mark. Nachfolgend gewannen Adolf I. von der Mark und seine Nachfolger die Krumme Grafschaft bei Dortmund (Ankauf von Dietrich von Altena-Isenberg im Jahre 1282 durch Graf Eberhard I. von der Mark) und Teile von Rüdenberg, ebenso wie die Vogtei über das Stift Essen und die Abtei Werden. 

Dies führte zu einer Festigung des märkischen Territorialbesitzes und zu einer dauerhaften Verbindung zwischen dem Hammer Raum und der Grafschaft Altena. Die Isenberger Wirren waren deshalb ein wichtiger Teilschritt zur Herausbildung der späteren Grafschaft Mark. Seit 1243 kann Eiberg als Teil der Grafschaft Mark angesehen werden. Das von Adolf I. von der Mark (+28. Juni 1249) vereinte Territorium sollte zu einem der stärksten in Westfalen werden und geriet deshalb mehr und mehr in Konkurrenz zu den Erzbischöfen von Köln. Für Teilgebiete allerdings war Adolf I. von der Mark erzbischöflicher Vasall. Erst seine Nachfolger lösten sich mehr und mehr von der Herzoglichen und Erzbischöflichen Gewalt der Kölner. Erst 1288 nach der Schlacht von Worringen konnten sie die herzoglichen Rechte widerrechtlich an sich reißen und sich von der Vorherrschaft Kölns endgültig  lösen. 

Schließlich bestätigt 1299 Graf Eberhard II. von der Mark († 4. Juli 1308 in Fröndenberg/Ruhr) den Pfandbesitz (Advocatia) des Stiftes Stoppenberg über sein Gut zu Eiberg (Hof Friedrich).

Wenn man die Grenze der Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg heute als Grenze zwischen Rheinland und Westfalen versteht, so verläuft diese Grenze quer durch das heutige Eiberg. An der Bochumer Landstraße steht noch heute der alte Grenzstein mit den Initialen P.W. und P.R., der die Grenze der einstigen Provinzen Westfalen und Rheinland markiert.

Foto und Karte: C.Schlich

Grenzstein Bochumer Landstraße   Karte der Zehntgrenzen von 947 und 1072

Sep.
20

Die Schließung des Schachtes Eiberg vor 50 Jahren - Das Ende des Bergbaus in Eiberg

20.09.2018

Die Schließung des Schachtes Eiberg vor 50 Jahren nahm der HGK Eiberg zum Anlass einen kurzen Rückblick von den Anfängen des Steinkohlebergbaus bis zu ihrem Ende in unserer Heimat nachzuzeichnen. Schon im 12. Und 13. Jahrhundert wurde die Steinkohle im Aachener Raum und im Ruhrgebiet erwähnt. Der Referent, Christian Schlich, erläuterte die Gründe des frühen Bergbaus in unserer Region anhand einer Geologischen Karte und führte aus, dass auch in unmittelbarer Nähe zu Eiberg bereits im 16. Jahrhundert nachweislich Kohle abgebaut wurde. Besonders interessant ist die Feststellung, dass in einer Steuerliste von 1664 der Grafschaft Mark, zu der Eiberg, Horst, Freisenbruch und Königssteele verwaltungsmäßig gehörten, sich der erste Hinweis auf einen Bergmann wiederfindet. Denn dort wird erwähnt, dass ein gewisser Jan auf dem Fesenberg durch seine Arbeit im Kohlberg einen (gesundheitlichen) Mangel bekommen hat. Er ist damit der erste namentlich erwähnte Bergmann der ganzen Grafschaft Mark und wird im Bereich der später erwähnten Zeche „Schwarzer Junge“ gearbeitet haben, lag doch sein Haus in unmittelbarer Nähe. Ebenso belegt dies den schon zu dieser Zeit etablierten Kohleabbau in Stollensystemen. So gehörten die sogenannten Gartfeld´schen Kohlengruben im Bereich von Freisenbruch-Süd aber auch die Schultenkemperbank, die Mecklingsbank und die Wecklenbank in Horst, die Hünnighauserbank in Königssteele zu den ältesten Stollenzechen. Nicht minder war in Eiberg die Zeche „Schwarzer Junge“ eine bedeutende Stollenzeche unter königlicher Verwaltung, die zeitweilig auch illegal durch den Horster Landwirt Krampe abgebaut wurde. Sie verlief von der Dr.C.Otto-Straße in Höhe des heutigen Eisenbahnmuseums quer durch den Eiberg´schen Berg bis zur Sandkuhle in Obereiberg, so dass heute dieses Gebiet wegen der Oberflächennähe der Stollen stark einsturzgefährdet ist.

Die ersten Tiefbauzechen entstanden dagegen erst mit der Einführung von Dampfmaschinen zur Wasserhaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Schließlich wurde 1852 in Eiberg ein neues, 29 Zoll mächtiges Flöz in der Wiese des Bauern Siepmann im Tal der Schirnbecke entdeckt, was letztlich zur Gründung der Zeche Jacob im Jahre 1857 führte. Jedoch kam die Zeche nicht richtig in Tritt, gab es vor allem Probleme mit der Wasserhaltung. Durch einen Defekt an der Wasserhaltungsmaschine soff die Zeche schließlich im April 1879 ab und der Betrieb kam zum Erliegen. Erst 1881 kamen potente Investoren zusammen, die mit neuem Geld den Betrieb der insolventen Zeche wieder aufnahmen. So gründete sich 1882 die Zeche Eiberg, die das Grubenfeld Jacob weiter abbaute. 1899 wurde das Feld durch Zukäufe der anliegenden Grubenfelder „Der Freibeuter“, „Fridolin“, „Mecklingsbank ins Westen“ und „Victoria“ erweitert und schließlich ein zweiter Förderschacht „Hermann“ in Überruhr angelegt. Noch heute erinnern uns einige Straßennamen an diese Vergangenheit.

Doch die Anlage erwies sich als nicht so lohnend, da insbesondere auf Überruhrer Seite die Gesteinsschichten einen einfachen und schnellen Abbau nicht erlaubten. Hinzu kamen bereits die ersten Stilllegungen von benachbarten Zechen, so dass man mit bedeutenden Wasserzuflüssen rechnen musste. Diese Verunsicherung führte schließlich zum Verkauf der Zeche Eiberg an die Steinkohlenbergwerksgesellschaft der Zeche Ewald in Herten im Jahre 1904, die zunächst die Schließungsgedanken weit von sich wies, dann aber doch sehr hastig die noch lohnenden Bereiche der Zeche abbaute und den Betrieb endgültig 1914 einstellte. Zu Spitzenzeiten umfasste die Belegschaft 1.180 Mitarbeiter. Alle Gebäude wurden in den folgenden Jahren abgerissen und der Schacht Jacob (Eiberg) verfüllt. Das Grubenfeld wurde zeitweilig von der Zeche Ver. Charlotte und Steingatt in Burgaltendorf angepachtet, bis 1925 die Gewerkschaft der Zeche Heinrich in Überruhr das Feld Eiberg kaufte.

Erst nach dem 2. Weltkrieg trat der Bergbau in Eiberg wieder in Erscheinung, als 1951 für die aus der ehemaligen Zeche Ver. Charlotte im Jahre 1930 neu entstandene Zeche Theodor der Gewerkschaft Heinrich in Eiberg ein neuer Außenschacht entstand. Dazu wurde der einst verfüllte Schacht Eiberg (Jacob) aufgewältigt. Da sich beim Verfüllen des Schachtes Hohlräume gebildet hatten, kam es am 25. September 1953 zu einem Unglück, als 8 Bergeleute ohne die vorgeschriebene Sicherung auf 265 m Teufe in einen dieser Hohlräume abstürzten. Der zentrale Trauerfeier wurde auf dem Parkfriedhof abgehalten und die Toten anschließend auf ihren Heimatfriedhöfen beerdigt. Unter den Veranstaltungsteilnehmern befanden sich auch noch Zeitzeugen, die dieses Ereignis authentisch beschreiben konnten.

Doch sollte der Steinkohlebergbau in Eiberg nicht mehr von langer Dauer sein, denn die 1957 beginnende Kohlekrise und das deutlich günstigere Erdöl verdrängte die Kohle mehr und mehr. So kam es bereits am 31. März 1968 zur Schließung der Zeche Heinrich mit all ihren Schächten und im Folgejahr zum Abbruch der Außenanlagen auch in Eiberg. Nur die Abraumhaldenreste sollten noch bis kurz vor der Bebauung des ehemaligen Zechengeländes an die Bergbauzeit erinnern.

Heute erinnert das im Mai 2008 vom Heimatgeschichtskreis Eiberg in der Nähe des ehemaligen Schachtes Eiberg an der Straße Hobestatt errichtete Zechendenkmal mit einem Gedenkstein, der den dort im Jahre 1953 verunglückten, aber auch allen anderen Bergleuten, die ihr Leben im Bergbau verloren haben, gewidmet ist.

Der Referent erinnerte in diesem Zusammenhang an die oft schwierige und gefährliche Arbeit unter Tage und hob diese Arbeitsleistung für den Fortschritt und Wohlstand unseres Landes hervor.

Zum Abschluss der sehr gut besuchten Veranstaltung wurde noch das Steigerlied gesungen und traditionell darauf mit einem Schnaps angestoßen, zumal wir Ende diesen Jahres, 50 Jahre nach der Schließung des Schachtes Eiberg, auch bundesweit vom Steinkohlebergbau endgültig Abschied nehmen müssen.

Auch in der Presse wurde über unsere Veranstaltung berichtet. (WAZ )

Fotos: D.Eilmes (1); Archiv C.Schlich (1)

.    Zeche Eiberg 1965

 

Jul.
07

Übergabe der geschichtlichen Infotafel zum Hof Schulte-Bockholt an die Öffentlichkeit

07.07.2018

In Fortsetzung seines Projektes „Erlebbare Lokalgeschichte“ hat der Heimatgeschichtskreis Eiberg nun eine weitere, geschichtliche Informationstafel erstellt. Diesmal widmet sich die Tafel dem erstmals um 1250 erwähnten Hof Schulte-Bockholt am Schultenweg 98. Diese konnte am 7. Juli 2018 der Öffentlichkeit übergeben werden.  An der kleinen Feier nahmen rund 35 Personen bei bestem Wetter teil, darunter auch zahlreiche Vertreter aus dem Stadtrat und der Bezirksvertretung Steele-Kray.

Der Vorsitzende, Herr Christian Schlich, begrüßte die Anwesenden und erläuterte die nunmehr 7. Tafel, die der Heimatgeschichtskreis Eiberg seit 2008 errichtet hat. Er ging dabei auf die Geschichte des sehr alten Hofes Schulte-Bockholt und deren Aufsitzer ein. Ebenso dankte er der Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V., Frau Alexandra Schmitz, für die Überlassung des Aufstellplatzes und den Nachfahren der Familie Schulte-Bockholt, die die Tafel durch Spenden ermöglicht haben.

Der geschichtsträchtige Hof Bockholt taucht erstmals nachweislich im Lehnbuch (1250-1300) des Edelherren Dietrich I. von Volmarstein auf, als dieser den Ritter Thidericus Nortkerke mit dem „curtem in Bocholte in Sthelo“ (Hof im Bockholt in Steele) belehnt. Teile des Hofes waren auch an die Abtei Werden und 1275 an die Essener Stiftsdame Elisa von Rennenberg verpfändet.

Der Hof war stets der größte sowie höchst besteuerte in Eiberg und stellte zudem den Schulten, der der Bauerschaft als unterste Verwaltungseinheit vorstand und auf die Einhaltung der Gesetze und Abgabenpflichten zu achten hatte. Der Schultentitel ist seit 1326 bezeugt, denn im Mitgliederverzeichnis des Wattenscheider Kalandes, einer frommen Bruderschaft zumeist wohlhabender Bürger und Geistlicher zur Verrichtung guter Werke, wird im gleichen Jahr Rutger Schultetus in Boykholt und die Frye, merssche (= Meierin) van dem Bockholte unter den Mitgliedern angegeben.

Besonders bemerkenswert an der Hofgeschichte ist, dass die Erbfolge ununterbrochen seit dem Mittelalter immer in der männlichen Linie gehalten werden konnte. Als Letzter bewirtschaftete Arnulf Schulte-Bockholt den Hof, bevor er in den 1970er-Jahren für mehrere Jahre nach Kanada zog und dort eine bedeutend größere Farm betrieb. Seitdem ist der Hof an den Reit- und Fahrverein Steele-Horst e.V. verpachtet, dem sich dadurch die Chance einer vereinseigenen Reitsportanlage bot. Bereits 1979 wurde die Hofanlage um eine Reithalle mit Vereinsgaststätte und Turnierplätze erweitert. 1980 fand das erste Turnier mit Spring-, Dressur- und Materialprüfungen statt. Durch seine derzeit großzügig angelegte Reitsportanlage mit zwei Reithallen, Dressur- und Springplatz, Besuchertribünen und Aussichtsplattformen sowie Stallungen mit über 55 Pferdeboxen hat der Reit- und Fahrverein Steele-Horst e.V. den Hof zu einem beliebten Austragungsort für Reitturniere gemacht. Mit ca. 300 Mitgliedern zählt er zu den größten Reitvereinen in Essen.

Anschließend sprach der Kulturbeauftragte der BV7, Herr Arnd Hepprich, einige Grußworte für den verhinderten Bezirksbürgermeister Gerd Hampel und unterstrich die Bedeutung dieser geschichtlichen Tafeln für die Erlebbarkeit lokaler Geschichte. So existieren auch in Steele, Kray und anderen Essener und Bochumer Stadtteilen solche Tafeln, die oft als Denkmal- bzw. Kulturpfade verbunden sind. Weitere sollen in Eiberg noch folgen.

Siehe auch die Berichte im Pressespiegel (Lokalkompass , WAZ )

(Fotos: Harald Vollmer und von Dieter Eilmes)

Enthüllung der Infotafel durch die Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V. Alexandra Schmitz und Bezirksvertreter und Kulturbeauftragter Arnd Hepprich   Der Vorstandsvorsitzende des HGK Eibergs, Christian Schlich erklärt die Bedeutung des Wappenschlosses.   Die neue Tafel mit folgenden Personen von links: Ratsherr Ernst Potthoff, Bezirksvertreter Eduard Schreyer, Bezirksvertreter Klaus-Dieter Feige, Ratsherr Friedhelm Krause, Bezirksvertreter und Kulturbeauftragter Arnd Hepprich, Vorsitzender des HGK Eiberg Christian Schlich, Ratsherr Hans Dirk Vogt, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V. Alexandra Schmitz, Bezirksvertreterin Nicole Markner   Zuschauer bei der Übergabe   So sieht die neue Infotafel aus

© Copyright by Heimatgeschichtskreis Eiberg
Alle Rechte vorbehalten.
Quelle: http://www.eiberg-heimatgeschichtskreis.de/