Impressionen aus Eiberg
Mär.
20

Aufstellung der 13. Denkmaltafel

20.03.2021

Aufgrund der Corona-Einschränkungen konnten Vertreter des Vorstandes eine weitere Denkmaltafel an der Straße „Weg am Berge 12“ anbringen und so öffentlich zugänglich machen. Die sonst übliche öffentliche Vorstellung musste unterbleiben. Die von der Bezirksvertretung Steele-Kray geförderte Tafel ergänzt den Eiberger Denkmalpfad an einer traditionsreichen Stelle des gewerblichen Lebens in Eiberg. Die inzwischen 13. Denkmaltafel thematisiert die Geschichte des ehemaligen Essig- und Sauerkrautfabrik Schulte-Bockholt & Werwer GmbH , die 60 Jahre in Eiberg bestanden hat und dem Ortsteil den Spitznamen „Kappes-Eiberg“ einbrachte, da für die Sauerkrautherstellung der Weißkohl - auch Kappes genannt- benötigt und angeliefert wurde.

Ebenso erinnert die Tafel an den Bau der alten Bergisch-Märkischen-Eisenbahnlinie von Duisburg nach Witten, die am 1. März 1862 ihren Betrieb aufnahm und die damalige Landgemeinde Eiberg zerschnitt. 1871 entstand der Gleisanschluss der Zeche Jakob (später Zeche Eiberg), der unmittelbar an der Denkmaltafel vorbei in Richtung „Hobestatt“ verlief. Als die Zeche Eiberg 1904 verkauft und 1914 stillgelegt wurde, mussten viele Bergleute auf anderen Zechen im Ruhrgebiet arbeiten. Damit diese mit dem Zug dorthin gelangen konnten, richtete man am Bahnübergang „Weg am Berge“ einen provisorischen Bahnhof bis ca. 1924 ein, der als Vorläufer des jetzigen Haltepunktes Essen-Eiberg angesehen werden kann. Erst vor dem 2. Weltkrieg wurde am Bahnübergang ein Schrankenwärterhaus errichtet, das bis 1978 betrieben und durch eine automatische Schrankenanlage ersetzt wurde.

Über die Anbringung freute sich besonders Marlies Heising mit ihrem Mann Heinz, die zufällig vorbei spazierten und als erste die Tafel in Augenschein nehmen konnten. Ihr Vater Heinrich Teigelack war langjähriger Geschäftsführer und schließlich auch Miteigentümer der Fabrik.

Ein Bericht über die Tafelaufstellung ist auch im Lokalkompass Essen-Steele sowie im Pressespiegel nachzulesen.

(Fotos: D.Eilmes & Sammlung HGK Eiberg)

Luftaufnahme der Fabrik 1956   Betriebsleiter und Miteigentümer Heinrich Teigelack (Mitte) mit Belegschaft 1965   Über die neue Tafel freuen sich: v.l. Vorstandsmitglieder Tobias Sies, Mario Schlich, Christian Schlich (Vorsitzender) sowie Marlies Heising mit ihrem Mann Heinz, Tochter des ehemaligen Geschäftsführer und Miteigentümers Heinrich Teigelack   Tafelansicht

 

Sep.
19

Übergabe der Denkmaltafel „Hof Althoff“

19.09.2020

Bei bestem Wetter und über 35 Gästen aus Bürgerschaft, Verein und Politik konnte die 12. Denkmaltafel eingeweiht werden.

Eigentlich sollte sie schon 2018 errichtet werden, konnte aber wegen der Großkanalbaustelle „Eibergbach“ nicht am vorgesehenen Standort aufgestellt werden. Dank Förderung durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Zurverfügungstellung einer Fläche für die Tafel durch den Enkel des letzten Besitzers konnte der Heimatgeschichtskreis Eiberg die Tafel nun der Öffentlichkeit übergeben. Sie steht an der Straße „Weg am Berge“ Höhe Nr. 39 und skizziert die wechselvolle Geschichte des Hofes Althoff, der um 1250 zur damaligen „Curia in Bocholte (Bockholt)“ – einem Hofesverband bestehend aus den Höfen Althoff, Schulte-Bockholt und Drenhaus – gehörte.

Durch die Gründung der Zeche Jakob (später Zeche Eiberg) im Jahre 1852 verlor der Hof nach und nach durch Verkauf und Abtretung an landwirtschaftlicher Fläche und wurde schließlich 1898 gänzlich an die Zeche Eiberg veräußert wurde. Der alte Hof, der zuletzt noch als Wohnraum und Betriebsgelände des Gartenbauunternehmers Jürg Melzer genutzt wurde, musste schließlich 1966 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die dazugehörige Wassermühle, dessen Entstehung vor 1823 liegt, wurde 1929 stillgelegt und nach dem 2. Weltkrieg abgerissen.

Fotos: D.Vollmer

Tafel Hof Althoff - 1   Tafel Hof Althoff - 2   Tafel Hof Althoff - 3

 

Sep.
10

Ludwig Bockholt – Ein Flugpionier aus der Familie Schulte-Bockholt

10.09.2020

Mit dem ersten Vortragsabend nach dem Corona-Lockdown konnte der HGK Eiberg sein Jahresprogramm mit einem interessanten Vortrag wieder aufnehmen.

In seinem Bildvortrag beleuchtete Christian Schlich die Lebensgeschichte des am 1. Mäez 1885 in Heerdt geborenen Ludwig Bockholt, ein Bruder vom Gutsbesitzer Franz Schulte-Bockholt in Eiberg. Nach seiner Kindheit in Heerdt und Schulzeit in Neuss begann er mit 18 Jahren seine Offizierslaufbahn bei der Kaiserlichen Marine. Nach seiner Ausbildung in der Marineschule Kiel versah er seinen Dienst zunächst auf verschiedenen Kriegsschiffen in Wilhelmshaven. Zeitweilig war er in die deutsche Kolonie Tsingtau (Qingdao, China) abkommandiert worden, die das deutsche Kaiserreich für 99 Jahre angepachtet hatte. Im 1. Weltkrieg nahm er an der Schlacht am Skagerrak unter Admiral Scheer teil, die mir rund 250 Schiffen die größte Seeschlacht des 1. WK war. Doch seine Unzufriedenheit mit Teilen der Vorgesetzten und seine Sehnsucht nach neuen Herausforderungen führte ihn schließlich zur Luftschifffahrt, die damals ebenfalls der Kriegsmarine zugeordnet war. So absolvierte er eine Kurzausbildung zum Luftschiffführer in Nordholz und wurde Kapitänleutnant. Ein Husarenstück gelang ihm als Kommandant des Luftschiffes L23 am 23.04.1917, als er die norwegische Dreimastbark „Royal“ beim Horns Riff in der Nordsee aufbrachte und als Prise nach Cuxhaven einbringen ließ. So erlangte er Ruhm in der Armee. Doch seine größte Unternehmung sollte noch folgen. Denn als die deutschen Truppen in Deutsch-Ostafrika unter General Paul von Lettow-Vorbeck in Bedrängnis gerieten, sollte eine Nachschublieferung per Luftschiff zum Tangajekasee erfolgen. Für diese geheime Kommandosache unter dem Decknamen „Die China-Sache“ wurde Ludwig Bockholt ausgewählt, weil er noch kein erfahrener Luftschiffführer war und die anderen für andere Kriegseinsätze eher benötigt wurden.  Nach einem Fehlversuch, der mit dem Verlust des ganzen Luftschiffes L57 endete, startete er schließlich am 21.11.1917 mit dem Luftschiff L59 von Jamboli (Bulgarien) aus in Richtung Ostafrika zu einer rund 5.800km langen Fahrt mit 14 Tonnen Kriegsmaterial. Nach einem über Afrika empfangenen Funkspruch musste Bockholt nach fast 2/3 der Strecke wieder umkehren, da der Erfolg des Unternehmens durch die zwischenzeitlichen Gegebenheiten in Frage gestellt war. So kehrte er nach 95 Stunden und 5 Minuten Non-Stop-Flug (Fahrt) nach Jamboli zurück und hatte eine Strecke von 6.757 km zurückgelegt, ein Langstreckenflugrekord, der bis 1929 hielt. Anschließend wurde Bockholt für Angriffsfahrten eingesetzt. So gelang es ihm den Hafen und die Gasanstalt von Neapel aus der Luft zu bombardieren, womit die Italiener nicht gerechtet hatten. Auf einer Angriffsfahrt gegen Malta stützte Ludwig mit seinem Luftschiff L59 am 7. April 1918 gegen 9 Uhr aus ungeklärter Ursache über der Straße von Otranto vor Albanien ab. Vermutlich war es keine Feindeinwirkung, sondern ein technischer Defekt, der den Wasserstoff im Luftschiff zur Explosion brachte. Noch heute erinnert in Neuss die Bockholtstraße an ihn. Ein Gedenkstein befindet sich noch auf der Familiengruft in Düsseldorf-Heerdt.

(Bild: Privatbesitz)

Ludwig Bockolt 1885-1918

Mär.
12

25 Jahre Heimatgeschichtskreis Eiberg – Ein Rückblick

12.03.2020

Am 12.03.2020 gaben die Vorsitzenden und Gründungsmitglieder des Heimatgeschichtskreises Eiberg, Christian Schlich und Gregor Heinrichs, einen Überblick über ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte.

Obgleich der Vortragsabend im Zeichen des Coronavirus schwächer besucht war als sonst, verfolgten die Gäste umso aufmerksamer den Ausführungen.

Neben der Vereinsvorgeschichte bis zur Gründung am 11. März 1995 durch 8 Eiberger Bürgerinnen und Bürger in der Gaststätte des Schultenhofes des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst wurde insbesondere auf die Aktivitäten des Vereins eingegangen, die in der Satzung des gemeinnützigen Vereins verankert sind. Eine besondere Herausforderung ist dabei, die Geschichte der ehemals selbständigen Landgemeinde Eiberg und des heute auf die Städte Bochum und Essen verteilten Gemeinwesens zusammenhängend und grenzüberschreitend zu erforschen und aufzuzeigen. So kann der Verein mit rund 100 Mitgliedern Ende des Jubiläumsjahres auf 125 Vorträge zurückblicken, die Einblicke in fast alle Themen der Eiberger Geschichte gaben. Neben der Geschichte der alten Bauerschaft Eiberg mit seinen alten Höfen und Kotten und der alten Bergbaugeschichte wurden auch die kirchliche, schulische, gewerbliche und kommunalpolitische Geschichte Eibergs aufgegriffen und dargestellt. Hinzu kommen 25 geschichtliche Wanderungen, 5 Ausstellungen, Ausflüge und 11 Denkmaltafeln, die im Laufe der Zeit durchgeführt bzw. umgesetzt wurden. In gedruckter Form erschienen bislang 10 Bücher, 3 Flyer, eine Broschüre, ein Geburtstagskalender und eine Karte.

Unvergessen ist die neuntägige Aktion „Schachtzeichen“ mit dem gelben Ballon an der Hobestatt, mit der an die ehemaligen Zechen im Ruhrgebiet im Rahmen der Kulturhauptstadt Essen 2010 erinnert wurde und nicht nur viele Eiberger anzog. Auch das das 850jährige Ortsjubiläum Eibergs in 2016 mit Einweihung eines Gedenksteins durch OB Thomas Kufen ließ viele Eiberger auf dem Schulhof der ehemaligen kath. Eibergschule zusammen kommen, um das Jubiläum bei sonnigem Wetter, musikalischer Unterhaltung und mit einem HEU-Bier mit zu feiern.

Fotos: Dieter Eilmes

Vortrag 25 Jahre HGK - 1  Vortrag 25 Jahre HGK - 2

Feb.
13

Die Mariannenbahn – Geschichte einer alten Pferdeschleppbahn

13.02.2020

In der sehr gut besuchten Veranstaltung ging Referent Christian Schlich zunächst auf die Familie von Elverfeldt ein, die im Wittener und Bochum-Dahlhauser-Raum zu den frühen Pionieren der Ruhrbergbaues zählt. Auch in Dahlhausen, in der Nähe der Eiberger Grenze, wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Stollenzechen General 1 bis 5 durch den Generalleutnant Friedrich Christian Freiherr von Elverfeldt (1699-1781) gemutet und angelegt. Seine Nachfahren führten die Bergbauaktivitäten fort und unterstützten sogar die Schiffbarmachung durch den Bau zweier Schleusen.

Letztlich war es Ludwig Freiherr von Elverfeldt (1793-1873), der in Wattenscheid-Höntrop mehrere Kohlegruben zur Zeche Maria Anna & Steinbank konsolidierte und deren Haupteigentümer war. Er suchte nach Absatzwegen seiner Kohlen und nutze zuerst den von seinem Vater Levin 1814 begonnenen Horster Erbstollen zur Lösung des Grundwassers als unterirdischen Transportweg zur Ruhr. Doch die Wirtschaftlichkeit war aufgrund der geringen Transportkapazitäten nicht gegeben, sodass Ludwig von Elverfeldt auf eigene Rechnung und Risiko eine leistungsfähigere Pferdeschleppbahn von Höntrop über Eiberg und Horst zur Ruhr hin über Land bauen ließ. Um später auch auf Dampflokbetrieb umstellen zu können, legte er die Normalspur mit 1435mm Weite zugrunde, die noch heute bei der Bahn AG benutzt wird. Sein Verwalter, Friedrich Scherenberg, verhandelte 1852-53 mit den Grundeigentümern und kaufte bzw. pachtete die benötigten Flächen an. Das Gleis bestand aus eisernen Schienen, die auf einzelnen behauenen Sandsteinblöcken (siehe Bild) lagerten und mit Eisenstangen zusammengehalten wurden. So konnte die rund 6,2 km lange Pferdeschleppbahn, die im Volksmund auch „Mariannenbahn“ genannt wurde, am 1. März 1854 ihren Betrieb aufnehmen. Die steile Bergabfahrt im Bereich des Lindkenshoferweges in Horst zur Ruhrniederung führte jedoch zu zahlreichen spektakulären Unfällen, die erheblichen Protest auslöste, sodass ein Polizeireglement erlassen und ein eigener Bahnmeister angestellt wurde. Die Pferde stellten die Bauern Gerdes in Höntrop und der Bauer Knühl in Horst.

Nach nur 6 Jahren Betrieb wurde die „Mariannenbahn“ aufgegeben, nachdem die Zeche Maria Anna & Steinbank 1861 in die Insolvenz geriet und geschlossen wurde. Heute erinnert wieder ein Straßenname in Essen-Horst an diese alte Pferdeschleppbahn mit Lokomotivspur, die in ihrer Ausführung und Länge einzigartig war und ein Stück Bergbau- und Eisenbahngeschichte im Ruhrgebiet darstellt. Der Name „Maria Anna“ stammt von der Mutter des Ludwig von Elverfeldt.

Am 30.11.2019 wurde vom Heimatgeschichtskreis Eiberg eine Denkmaltafel, die an die Mariannenbahn erinnert, aufgestellt. Und im Jahr 2018 wurde auch ein Schnadegang auf den Spuren der Mariannenbahn durchgeführt.

Bilder: Archiv C.Schlich

Karte von 1857  Kuxschein AnnaMaria und Steinbank  Alter Schwellenstein

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Quelle: http://www.eiberg-heimatgeschichtskreis.de/