Impressionen aus Eiberg
Sep.
02

Kappes aus Eiberg - Zur Geschichte der Essig - und Sauerkrautfabrik Schulte-Bockholt & Werwer

02.09.2021

In einem überaus gut besuchten Heimatabend nach langer Coronapause berichtete Christian Schlich über die Geschichte der ehemaligen Essig- und Sauerkrautfabrik Schulte-Bockholt & Werwer. Dabei skizzierte er kurz die Geschichte des Hofes Bockholt und ging auf die Zeit ein, in der der Hof lange Jahre an die Familie Kremerskothen verpachtet war und einer der Nachkommen namens Franz sen. zunächst in Bochum-Werne als Ökonom tätig war und dann die Erbtochter des Gutes „Am Kaiser“ in Düsseldorf-Heerdt heiratete.Die Söhne aus der Ehe wuchsen dort auf und gingen in Neuss zur Schule. Mitschüler waren die Brüder Frings, dessen Vater in Aachen eine Essigfabrik gegründet hatte. Aber auch in der Nähe des Hofes „Am Kaiser“ eröffnete 1862 die erste Deutsche Sauerkrautfabrik des Landwirtes Leuchtenberg, die schnell aufblühte und sogar das Sauerkraut ins Ausland exportierte. Dies mag dazu geführt haben, dass Franz Schulte-Bockholt jun. sich früh für diesen Produktionszweige interessiert hat. Als er 1902 als 26jähriger Junggeselle den Ahnhof seiner Familie in Eiberg wieder selbst bewirtschaftete, entschloss es sich, auch in Eiberg eine Essig- und Sauerkrautfabrik zu gründen. Als Kompagnon nahm er seinen Vetter, den Kaufmann Heinrich Werwer. Bereits 1904 erwarb er von der Gewerkschaft der Zeche Ewald in Herten, die die Zeche Eiberg im gleichen Jahr aufgekauft hatte, ein Grundstück an der damaligen Jakobstraße (heute Weg am Berge). 1906 wurde die Fabrikhalle errichtet und der Betrieb aufgenommen. Für das nötige Know How stellte man als Fabrikmeister Johann Rommerskirchen ein, der vom Niederrhein kam und sein Handwerk gut verstand. Zu der Fabrik gehörten rund 9 Stammmitarbeiter sowie 12-15 Saisonarbeitskräfte.

Für das Ausgangsprodukt baute Bockholt selbst Weißkohl (Kappes) an, animierte aber auch benachbarte Höfe, es ihm gleich zu tun. Später wurde der Kohl auch vom Niederrhein und Schleswig-Holstein antransportiert. So manch Eiberger hat so am Bahnübergang einen Kohlkopf abbekommen, wenn die schwerbeladenen LKW schwankend über die Gleise fuhren und sich der ein oder andere Kohl in Bewegung setzte. Im 2. Weltkrieg mussten einige Zivilgefangene aus Holland und Osteuropa in der Fabrik arbeiten, die im „Lager Eiberg“ auf dem ehemaligen Zechengelände in Baracken untergebracht waren. Nach dem Krieg wurden noch moderne Schneidemaschinen angeschafft und die Produktion deutlich erhöht. Einer der letzten Geschäftsführer, Heinrich Teigelack, konnte sogar 1965 sein 50. Betriebsjubiläum feiern, war er bereits mit 14 Jahren in das Unternehmen eingetreten. Als Belobigung erhielt er einen 10%igen Unternehmensanteil. Doch der Konkurrenzkampf war härter geworden, so dass man sich 1966 entschloss, das Unternehmen aufzugeben.

60 Jahre Verarbeitung von Weißkohl hat dann auch dazu geführt, dass man scherzhaft von „Kappes-Eiberg“ sprach, war doch die Fabrik lange Zeit auch einer der größten Unternehmungen in Eiberg. Nach verschiedenen Zwischennutzungen als Lager und Metallverwertungsbetrieb wurde die „Kappsfabrik“, wie sie oft genannt wurde, 1985 abgerissen und mit Einfamilienhäusern bebaut.

Zur Erinnerung an die Geschichte der Essig- und Sauerkrautfabrik hat der HGK Eiberg am 20.03.2021 eine Gedenktafel aufgestellt.

(Fotos: C.Schlich & Archiv HGK Eiberg)

Kappesfabrik um 1984  Weg am Berge Sauerkrautfabrik um 1955  Kappsfabrik

Aug.
07

Schnadegang durch Eiberg

07.08.2021

Nach langer Corona-Zwangspause startete der Heimatgeschichtskreis Eiberg wieder seine Veranstaltungen mit dem beliebten "Schnadegang", einer geschichtlichen Wanderung um und durch Eiberg mit geschichtlichen Informationen.

Bei gutem Wetter kamen über 25 Interessierte zum Startpunkt an der ehemaligen Eiberger Kirche und folgten Gregor Heinrichs auf der Wanderung, die sich dem Thema der Eiberger Bäche widmete.

So ging es zunächst über den Schultenweg am Hof Drenhaus (Grümer) vorbei zur "Mecklenbecke", die ihr Wasser in Höntrop an der Zollstraße sammelt und längs der Bahnlinie verläuft. Die Mecklenbecke, was so viel wie "großer Bach" bedeutet, war zudem vielfacher Namensgeber, so u.a. in der Landwirtschaft für den Hof Schulte-Mecklenbeck, als Straßenbezeichnung "In der Mecklenbeck" in Höntrop und im Bergbau als Bezeichnung von Stollenbetrieben im 18. und 19. Jahrhundert wie Mecklingsbank und Mecklingsbänker Erbstollen. Von dort aus führte die Wanderung durch das Hosiepen und an der ehemaligen Mariannenbahn vorbei hinauf nach Obereiberg zur Quelle der "Eibecke" in der Nähe des Hofes Hinderfeld (Heinrichs), die nach Dahlhausen zur Ruhr fließt. Dann begaben sich die Wanderer über den durch Regen stark ausgespülten Uhlendahlweg entlang der "Uhlendahlbecke" wieder ins Tal der Mecklenbecke. Nur unweit des ehemaligen Uhlendahlkotten mündet die "Mecklenbecke" heute in den "Eibergbach", der sein Wasser im Bereich der Imandtstraße sammelt und die historische Grenze zwischen Horst und Eiberg bildet. Der "Eibergbach", der den eigentlichen Bachnamen "Mecklenbeck" verdrängt hat, ist keine historische Bachbezeichnung im eigentlichen Sinne, sondern schlich sich beginnend ab 1900 als eine verwaltungstechnische Bezeichnung ein und ist heute die amtliche Bachbezeichnung.

Nach zwei Stunden erreichte die Wandergruppe über das sogenannte "Uhlennest" und die Wegmannstraße wieder den Ausgangspunkt mit interessanten Einblicken zur Historie von Eiberg, wobei sie gleich zweimal die Grenze zwischen Rheinland und Westfalen überschritt. Auch das Thema Hochwasser und Überschwemmungen in unserer Heimat sorgte angesichts des Gewässerthemas für Gesprächsstoff während der Wanderung.

Die WAZ Wattenscheid berichtete in ihrer Ausgabe vom 09.08. über diesen Schnadegang.

Mär.
20

Aufstellung der 13. Denkmaltafel

20.03.2021

Aufgrund der Corona-Einschränkungen konnten Vertreter des Vorstandes eine weitere Denkmaltafel an der Straße „Weg am Berge 12“ anbringen und so öffentlich zugänglich machen. Die sonst übliche öffentliche Vorstellung musste unterbleiben. Die von der Bezirksvertretung Steele-Kray geförderte Tafel ergänzt den Eiberger Denkmalpfad an einer traditionsreichen Stelle des gewerblichen Lebens in Eiberg. Die inzwischen 13. Denkmaltafel thematisiert die Geschichte des ehemaligen Essig- und Sauerkrautfabrik Schulte-Bockholt & Werwer GmbH , die 60 Jahre in Eiberg bestanden hat und dem Ortsteil den Spitznamen „Kappes-Eiberg“ einbrachte, da für die Sauerkrautherstellung der Weißkohl - auch Kappes genannt- benötigt und angeliefert wurde.

Ebenso erinnert die Tafel an den Bau der alten Bergisch-Märkischen-Eisenbahnlinie von Duisburg nach Witten, die am 1. März 1862 ihren Betrieb aufnahm und die damalige Landgemeinde Eiberg zerschnitt. 1871 entstand der Gleisanschluss der Zeche Jakob (später Zeche Eiberg), der unmittelbar an der Denkmaltafel vorbei in Richtung „Hobestatt“ verlief. Als die Zeche Eiberg 1904 verkauft und 1914 stillgelegt wurde, mussten viele Bergleute auf anderen Zechen im Ruhrgebiet arbeiten. Damit diese mit dem Zug dorthin gelangen konnten, richtete man am Bahnübergang „Weg am Berge“ einen provisorischen Bahnhof bis ca. 1924 ein, der als Vorläufer des jetzigen Haltepunktes Essen-Eiberg angesehen werden kann. Erst vor dem 2. Weltkrieg wurde am Bahnübergang ein Schrankenwärterhaus errichtet, das bis 1978 betrieben und durch eine automatische Schrankenanlage ersetzt wurde.

Über die Anbringung freute sich besonders Marlies Heising mit ihrem Mann Heinz, die zufällig vorbei spazierten und als erste die Tafel in Augenschein nehmen konnten. Ihr Vater Heinrich Teigelack war langjähriger Geschäftsführer und schließlich auch Miteigentümer der Fabrik.

Ein Bericht über die Tafelaufstellung ist auch im Lokalkompass Essen-Steele sowie im Pressespiegel nachzulesen.

(Fotos: D.Eilmes & Sammlung HGK Eiberg)

Luftaufnahme der Fabrik 1956   Betriebsleiter und Miteigentümer Heinrich Teigelack (Mitte) mit Belegschaft 1965   Über die neue Tafel freuen sich: v.l. Vorstandsmitglieder Tobias Sies, Mario Schlich, Christian Schlich (Vorsitzender) sowie Marlies Heising mit ihrem Mann Heinz, Tochter des ehemaligen Geschäftsführer und Miteigentümers Heinrich Teigelack   Tafelansicht

 

Sep.
19

Übergabe der Denkmaltafel „Hof Althoff“

19.09.2020

Bei bestem Wetter und über 35 Gästen aus Bürgerschaft, Verein und Politik konnte die 12. Denkmaltafel eingeweiht werden.

Eigentlich sollte sie schon 2018 errichtet werden, konnte aber wegen der Großkanalbaustelle „Eibergbach“ nicht am vorgesehenen Standort aufgestellt werden. Dank Förderung durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Zurverfügungstellung einer Fläche für die Tafel durch den Enkel des letzten Besitzers konnte der Heimatgeschichtskreis Eiberg die Tafel nun der Öffentlichkeit übergeben. Sie steht an der Straße „Weg am Berge“ Höhe Nr. 39 und skizziert die wechselvolle Geschichte des Hofes Althoff, der um 1250 zur damaligen „Curia in Bocholte (Bockholt)“ – einem Hofesverband bestehend aus den Höfen Althoff, Schulte-Bockholt und Drenhaus – gehörte.

Durch die Gründung der Zeche Jakob (später Zeche Eiberg) im Jahre 1852 verlor der Hof nach und nach durch Verkauf und Abtretung an landwirtschaftlicher Fläche und wurde schließlich 1898 gänzlich an die Zeche Eiberg veräußert wurde. Der alte Hof, der zuletzt noch als Wohnraum und Betriebsgelände des Gartenbauunternehmers Jürg Melzer genutzt wurde, musste schließlich 1966 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die dazugehörige Wassermühle, dessen Entstehung vor 1823 liegt, wurde 1929 stillgelegt und nach dem 2. Weltkrieg abgerissen.

Fotos: D.Vollmer

Tafel Hof Althoff - 1   Tafel Hof Althoff - 2   Tafel Hof Althoff - 3

 

Sep.
10

Ludwig Bockholt – Ein Flugpionier aus der Familie Schulte-Bockholt

10.09.2020

Mit dem ersten Vortragsabend nach dem Corona-Lockdown konnte der HGK Eiberg sein Jahresprogramm mit einem interessanten Vortrag wieder aufnehmen.

In seinem Bildvortrag beleuchtete Christian Schlich die Lebensgeschichte des am 1. Mäez 1885 in Heerdt geborenen Ludwig Bockholt, ein Bruder vom Gutsbesitzer Franz Schulte-Bockholt in Eiberg. Nach seiner Kindheit in Heerdt und Schulzeit in Neuss begann er mit 18 Jahren seine Offizierslaufbahn bei der Kaiserlichen Marine. Nach seiner Ausbildung in der Marineschule Kiel versah er seinen Dienst zunächst auf verschiedenen Kriegsschiffen in Wilhelmshaven. Zeitweilig war er in die deutsche Kolonie Tsingtau (Qingdao, China) abkommandiert worden, die das deutsche Kaiserreich für 99 Jahre angepachtet hatte. Im 1. Weltkrieg nahm er an der Schlacht am Skagerrak unter Admiral Scheer teil, die mir rund 250 Schiffen die größte Seeschlacht des 1. WK war. Doch seine Unzufriedenheit mit Teilen der Vorgesetzten und seine Sehnsucht nach neuen Herausforderungen führte ihn schließlich zur Luftschifffahrt, die damals ebenfalls der Kriegsmarine zugeordnet war. So absolvierte er eine Kurzausbildung zum Luftschiffführer in Nordholz und wurde Kapitänleutnant. Ein Husarenstück gelang ihm als Kommandant des Luftschiffes L23 am 23.04.1917, als er die norwegische Dreimastbark „Royal“ beim Horns Riff in der Nordsee aufbrachte und als Prise nach Cuxhaven einbringen ließ. So erlangte er Ruhm in der Armee. Doch seine größte Unternehmung sollte noch folgen. Denn als die deutschen Truppen in Deutsch-Ostafrika unter General Paul von Lettow-Vorbeck in Bedrängnis gerieten, sollte eine Nachschublieferung per Luftschiff zum Tangajekasee erfolgen. Für diese geheime Kommandosache unter dem Decknamen „Die China-Sache“ wurde Ludwig Bockholt ausgewählt, weil er noch kein erfahrener Luftschiffführer war und die anderen für andere Kriegseinsätze eher benötigt wurden.  Nach einem Fehlversuch, der mit dem Verlust des ganzen Luftschiffes L57 endete, startete er schließlich am 21.11.1917 mit dem Luftschiff L59 von Jamboli (Bulgarien) aus in Richtung Ostafrika zu einer rund 5.800km langen Fahrt mit 14 Tonnen Kriegsmaterial. Nach einem über Afrika empfangenen Funkspruch musste Bockholt nach fast 2/3 der Strecke wieder umkehren, da der Erfolg des Unternehmens durch die zwischenzeitlichen Gegebenheiten in Frage gestellt war. So kehrte er nach 95 Stunden und 5 Minuten Non-Stop-Flug (Fahrt) nach Jamboli zurück und hatte eine Strecke von 6.757 km zurückgelegt, ein Langstreckenflugrekord, der bis 1929 hielt. Anschließend wurde Bockholt für Angriffsfahrten eingesetzt. So gelang es ihm den Hafen und die Gasanstalt von Neapel aus der Luft zu bombardieren, womit die Italiener nicht gerechtet hatten. Auf einer Angriffsfahrt gegen Malta stützte Ludwig mit seinem Luftschiff L59 am 7. April 1918 gegen 9 Uhr aus ungeklärter Ursache über der Straße von Otranto vor Albanien ab. Vermutlich war es keine Feindeinwirkung, sondern ein technischer Defekt, der den Wasserstoff im Luftschiff zur Explosion brachte. Noch heute erinnert in Neuss die Bockholtstraße an ihn. Ein Gedenkstein befindet sich noch auf der Familiengruft in Düsseldorf-Heerdt.

(Bild: Privatbesitz)

Ludwig Bockolt 1885-1918

© Copyright by Heimatgeschichtskreis Eiberg
Alle Rechte vorbehalten.
Quelle: http://www.eiberg-heimatgeschichtskreis.de/